Der Parzival des Wolfram von Eschenbach, Dieter Kühn

Das Buch Der Parzival des Wolfram von Eschenbach von Dieter Kühn besteht aus zwei Teilen: Es enthält eine Neuübersetzung des berühmten höfischen Epos um den jungen unbedarften Ritter, der schließlich Gralskönig wird; davor versucht der Autor, sich auf ca. 300 Seiten dem Leben und Umfeld des Parzival-Dichters Wolfram anzunähern. Dabei schwankt er ständig zwischen Roman und historischem Sachbuch, dafür vereint das Werk meines Erachtens die Vorteile beider Gattungen. Was er über Alltag und Politik des 12. Jahrhunderts schreibt, ist fundiert und nachvollziehbar, er versäumt es dabei aber nie, herauszustellen, dass die Geschichte im Grunde eine spekulative Wissenschaft bleibt. Er arbeitet oft mit eigenen Argumenten, wenn es darum geht, einen Sachverhalt darzustellen, führt aber auch mögliche Gegenargumente an; es könnte so, aber auch anders gewesen sein. Dies macht Dieter Kühns Parzival für mich zu einem sehr ernstzunehmenden geschichtlichen Werk, da es sich der Autor nicht so einfach macht, alle Behauptungen und Überlegungen über eine so lange zurückliegende Epoche als gesichert hinzustellen.

Die wissenschaftlichen Überlegungen werden unterbrochen von erzählenden Passagen, in denen der Autor Geschichten über fiktive Personen entwirft und so jede Menge Fakten und Möglichkeiten über das Alltagsleben im 12. Jahrhundert vorstellt. Daher enthält das Buch auch viele Informationen für jene, die sich nicht primär für den Autor Wolfram interessieren. Aber auch das Werk Wolframs wird mit dem Hintergrund, den Dieter Kühn entwirft,wesentlich verständlicher; positiv daran finde ich außerdem, dass in dem Buch nicht nur, wie der Titel suggerieren könnte, Parzival besprochen wird, sondern auch Wolframs andere Romane beziehungsweise Fragmente und seine wenig bekannten Minnelieder. Damit ist Dieter Kühns Parzival nicht nur ein wissenschaftliches und historisches Werk, sondern auch eine Hommage an Wolfram, aus dem an vielen Stellen ehrliche Bewunderung des Autors spricht.


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